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Photo: Paul Kyppers
Night Notes

Spannende Begegnung: Pablo Held Trio & Emilio Modeste in der Philharmonie

Zu seinem 20-jährigen Jubiläum trifft das Kölner Pablo Held Trio auf den New Yorker Saxofonisten Emilio Modeste: Kochende 60er-Vibes, unberechenbare Soli und eine politische Ansprache.

Text: Paul Kyppers; Redaktion: Odilo Clausnitzer

13. September 2026, 19:58 Uhr:
Der große Saal der Kölner Philharmonie ist halb gefüllt. Gemischtes Publikum, es überwiegt die Anzahl der Besuchenden über 50 Jahre. Today's menu: 20 Jahre Pablo Held Trio, Jubiläumskonzert. Saxofonist Emilio Modeste aus New York ist als Gast dabei. 

Pablo Held wird dieses Jahr noch 40. Mit seinen Freunden Jonas Burgwinkel und Robert Landfermann bildet er seit 20 Jahren ein Trio, das mit seinem schwebenden, fluiden, komplexen und coolen Sound zu einer europäischen Jazzgröße geworden ist.

Ein großer Kontrast dazu: Der Sound von Emilio Modeste. 
Der 26 jährige New Yorker spielt in „High-Energy-Bands“ wie der von Kassa Overall oder Julius Rodriguez. Die Tracks seines mit Natasha Agrama co-geleiteten Projektes INSTANT ALTER wiederum sind eine Synthese aus Nirvana-Grunge, Jazz Fusion Language, Art Pop und Lo-Fi-Mixing. Die Begegnung des Trios mit dem Saxofonisten verspricht also ein spannendes Erlebnis.

Meine Vermutung vor dem Konzert: Modeste wird das Pablo Held Trio aufmischen.
Pünktlich um 20:01 Uhr betreten die vier in schwarz gekleideten Männer die Bühne für ein Set ohne Halbzeitpause. Sie beginnen mit einer Widmung an Drummer Billy Hart.

60s-Vibes: Das Trio weckt durch interaktives Zusammenspiel Assoziationen an Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams zu ihrer Zeit im Miles Davis Quintett. Burgwinkel bricht in heiße Fills aus, Held begleitet stechend und rhythmisch, Landfermann spielt Time. Das Ganze klingt dynamisch und leidenschaftlich. Man merkt: Die drei haben „das Zeug gefressen“. Auch in Modestes Sound schimmert ein wenig Wayne Shorter durch.

Im Verlauf des Konzertes merke ich: meine Vermutung hat sich bestätigt.
Das Pablo Held Trio, so originell es als Einheit ist, hat eine Tendenz, durch seinen Fokus auf technische Brillianz und eine introvertierte, konzentrierte Spielhaltung etwas steril und kühl zu klingen. Emilio Modeste bringt durch sein Spiel Feuer in die Band und fordert seine Mitspieler, allen voran den Bandleader, heraus, die eigene Spielweise anzupassen. Der Saxofonist begleitet den Pianisten, spielt in dessen Pausen Motive hinein, die es als Solist unmöglich machen, nicht darauf zu reagieren. In seinen eigenen Soli klingt er tight, unberechenbar und selbstbewusst. Bei einigen seiner musikalischen Überraschungen geht sein ganzer Körper mit. Der Unterschied zwischen der Kölner und New Yorker Spielhaltung wird an einer interessanten Stelle klar, in der die Band freie Improvisation und Groove vereint: Modeste assoziiert frei und kompromisslos Musik, während Held und Landfermann aus recycleten Impro-Fetzen neue Strukturen bauen.

Die Kölner Philharmonie ist alles andere als ein idealer Raum für eine Band wie diese. Zu groß, zu hallig. Sämtliche Bassfrequenzen ziehen sich im Raum in die Länge. Schnellere, groovestarke Stücke verlieren dadurch an Punch, an Biss, jedoch profitieren einige Balladen und sanfte Stücke des Bandleaders von der Akustik des Saals. „Whispering Fairy“ beispielsweise: intim, warm und schön. Landfermann spielt mit der Rückseite des Bogens. Sein Bass und Modestes Sopransaxofon verschmelzen in einigen Passagen der Melodie zu einem Instrument.

Zu Ende des Konzertes werde ich positiv überrascht:
Pablo Held, der eigentlich nicht dafür bekannt ist, sich zu aktuellen Ereignissen zu äußern, hält eine „politische Ansprache“ gegen Big Tech und „egomanische“ Machthaber. Das hätte für mich vertieft werden können: Wo einige Worte zu, beispielsweise, der Wichtigkeit von Livemusik im Zeitalter rapider Entwicklung künstlicher Intelligenz und deren möglichen Gefahren für Kunst und Kultur hätten verloren werden können, gab es leider nur eine etwas sperrige Ausführung zur Musik als verbindendem Element und universeller Sprache. Standing Ovations nach der letzten Nummer „Unity“, deren Ankündigung Pablo Held mit seiner Ansprache verwob. Und ein Charlie Parker Song als Zugabe: „Barbados“ kratzt an den 300 BPM, and back are the spirits of Tony, Ron and Herbie. Die Band kocht unter dem temperamentvollen Solo des New Yorkers, und das Konzert endet mit einem leidenschaftlichen Drumsolo.

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