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Photo: Niclas Weber
Night Notes

Standortbestimmung

Vom 24. bis 27. September kamen in Köln die Mitglieder des Europe Jazz Network zur zwölften European Jazz Conference zusammen – zum allerersten Mal in der Historie dieses europäischen Kulturnetzwerkes in Deutschland. Dabei gab's auch viel Musik zu entdecken.

Text: Martin Laurentius; Redaktion: Odilo Clausnitzer

Wenn sich die mit viel Bogen gestrichenen Kantilenen von Emily Wittbrodts Cello und Cæcilie Ballings Geige ineinander verschränken, die weiten Arpeggi von Kathrin Pechlofs Harfe durch einen bordunartig-tiefen Ton von Phil Donkins Kontrabass grundiert werden und die rhythmisch getrommelten Akkorde von Ginté Preisaités Flügel einen scharfen Kontrapunkt dazu setzen: Dann bekommt das dynamisch so ausdifferenzierte Timbre von Zola Mennenöhs Stimme den Raum, in dem es sich adäquat entfalten und ausbreiten kann. „A Labour of Love“ heißt das Programm, das die Vokalistin in ihrem Showcase-Konzert während der European Jazz Conference in Köln vorgestellt hat. Es soll auch eine politische Komponente gehabt haben. Doch ist Mennenöhs kammermusikalisch-leiser Singer-Songwriter-Sound vor allem eines: emotional ergreifend und intellektuell anregend zugleich.

„Who we are. What we stand for“ haben sich die für die Organisation der European Jazz Conference verantwortlichen Veranstalter und Initiativen, der Stadtgarten, die Cologne Jazzweek, die Monheim Triennale und die Kölner Jazz Konferenz, als Motto gegeben. Das lässt sich durchaus auch politisch verstehen. So hält es jedenfalls der englische Pianist Alexander Hawkins in seiner Keynote-Speach zur Eröffnung der Konferenz, als er dieses Motto aufbricht und mit dem Verweis auf das Personalpronomen „wir“ die Fragen diskutiert, wer „wir“ als Community eigentlich sind, wen „wir“ überhaupt repräsentieren und wie „wir“, in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Umbrüche, Einfluss nehmen können.

Natürlich lässt sich dieses Motto auch auf das Showcase-Festival im Kölner Loft, Stadtgarten und dem Sartory-Saal übertragen. Doch während in den Panels und Podiumsdiskussionen ausgiebig das Politische im Jazz und der aktuellen Musik erörtert wurde, stand dieses Thema in den 13 Konzerten mit Acts aus Deutschland seltener im Fokus. Deren Standortbestimmung war anderer Art. Als die Berlinerin Holly Schlott die Konzertbühne in einen imaginären Ballsaal verwandelte und die Musik ihres elfköpfigen Solistenensembles regelrecht zum Tanzen brachte; als Cheel um die Kölner Saxofonistin Luise Volkmann das Melodische in der Improvisation offenzulegen versuchte, das kooperative Pianotrio Neon Dilemma seine Improvisationsmusik aller harmonischen und rhythmischen Komplexität zum Trotz oftmals ins Grooven brachte oder das Sextett InEvitable der Vibrafonistin und Schlagzeugerin Evi Filipppou Musik auch als theatralische Performance zu inszenieren wusste, zählten ausschließlich ästhetischer Ausdruck und stilistische Vielfalt.

Diese vier Tage mit der European Jazz Conference waren auch eine Feier der Innovationskraft der europäischen Jazz- und Improv-Szene. Mehr als 400 Teilnehmer:innen aus ganz Europa zog es nach Köln, um zu diskutieren, sich zu vernetzen oder einfach nur die Musik zu genießen. Dass dabei das Politische nicht vergessen wurde, zeigte sich auch bei der Verleihung des „EJN Award for Music & Community“ an die ukrainische Initiative Victory Beats oder beim erstmals vergebenen Ukrainian Jazz Prize an das Quartett Hyphen Dash. Die 13. European Jazz Conference findet übrigens im September 2027 in Italien statt: in Alghero auf Sardinien.

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