Jazz in Köln

Köln hat selten den Anspruch erhoben, „deutsche Jazzhauptstadt“ zu sein. Dennoch gingen in den vergangenen mehr als 60 Jahren stets (jazz-)musikalische Impulse und kulturpolitische Initiativen mit weitreichenden Folgen und Konsequenzen von der umtriebigen Jazzszene in der Domstadt am Rhein aus. „Jazz in Köln nach dem Kriege war untrennbar eingebunden in die Geschichte des Jazz in Deutschland“, schreibt Robert von Zahn in seiner Dokumentation „Jazz in Köln seit 1945 – Konzertkultur und Kellerkunst“. „Es gab keinen Sonderweg, doch gab es spezifische Kölner Schwerpunkte.“

 

Einen ersten, wichtigen Impuls gab es 1957. Der Westdeutsche Rundfunk holte den Komponisten und Bandleader Kurt Edelhagen nach Köln, der für den öffentlich-rechtlichen Radiosender ein Jazzorchester einrichten und leiten sollte. Bis in die 1970er-Jahre sorgte das Kurt Edelhagen Orchester dafür, dass internationale Jazzgrößen nach Köln kamen, um dort zu leben und zu arbeiten. Gleichzeitig rief Edelhagen 1958 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln eine Jazzklasse ins Leben, wo er und einige der Musiker seines Orchesters sich um den Nachwuchs kümmerten und Talente sichteten. Gleich die erste Generation von Schülern dieser Klasse stand Mitte der 1960er im Nukleus der Jazzentwicklung: Ein Manfred Schoof oder ein Alexander von Schlippenbach trugen mit ihrem „Free Jazz“ maßgeblich zur Emanzipation des Jazz aus Europa von den amerikanischen Vorbildern bei.

Ein zweiter Einschnitt folgte im Jahr 1978. An der Kölner Musikhochschule wurde ein regulärer Jazzstudiengang eingerichtet, um ein Vollstudium für den Beruf des Jazzmusikers anzubieten – der erste übrigens in Westdeutschland. Darüber hinaus gründeten 1978 einige Musikstudenten und Schüler der Jazzklasse von Manfred Schoof die „Initiative Kölner Jazz Haus“ (IKJH), das musikereigene Label JazzHausMusik (JHM) sowie die Offene JazzHaus Schule (OJHS) und veranstalteten in den folgenden Jahren das legendäre Kölner JazzHaus Festival in der Aula der Musikhochschule. Ziel der jungen Musikerinnen und Musiker dieser Initiative war es aber nicht nur, die eigene Arbeitswelt zu organisieren. Vielmehr forderten sie ganz konkret ein „Jazzhaus“ für sich, wo unter anderem in einem Saal Konzerte stattfinden und in einem Studio Alben produziert werden sollten. Dieses Ziel wurde im September 1986 erreicht: Der Kölner Stadtgarten öffnete seine Pforten, unter Führung der IKJH.

Und zum dritten: Manfred Niehaus übernahm die Leitung der Jazzredaktion des Westdeutschen Rundfunks und setzte sich bis zu seiner Pensionierung 1989 explizit für diese „Stadtgarten-Szene“ ein 

Heute ist Köln eine Jazzstadt von internationaler Bedeutung.

  • Der Stadtgarten ist in ein „Europäisches Zentrum für Jazz und aktuelle Musik“ verwandelt worden und bekommt von der Stadt Köln und vom Land Nordrhein-Westfalen jährlich eine Förderung in Höhe von 600.000 Euro.

  • Das Loft im Stadtteil Ehrenfeld, von Anfang an eng mit dem Stadtgarten verbunden, ist auch heute noch „Szene-Backing“ für die Jazzmusikerinnen und -musiker in der Stadt. Viele der kreativen Projekte der Kölner Szene sind dort entstanden, viele Jazzstudierende spielen auch heute noch dort ihrer Abschlusskonzerte.

  • Der Jazzstudiengang an der Hochschule für Musik und Tanz Köln ist längst eine reguläre Abteilung geworden und sorgt weiterhin für einen steten Fluss von jungen Talenten, die zum Studium in die Stadt kommen.

  • Viele der Studierenden organisieren sich spätestens seit 2009 vor allem in Kollektiven (ganz in der Tradition der „Initiative Kölner Jazz Haus“): vom Jazzkollektiv Köln, KLAENG, etwa über IMPAKT „Improvisation & aktuelle Musik Köln“ bis hin zu jungesloft.

  • Die Jazzredaktion des WDR ist sich ihrer kulturpolitischen Verantwortung für die Szene in Köln weiterhin bewusst – zum Beispiel mit Konzertmitschnitten von Kölner Musikerinnen und Musikern, aber unter anderem auch mit Initiativen wie „WDR 3 Campus Jazz“ oder dem jährlich verliehenen WDR Jazzpreis.
Seit 2017 bündelt die Kölner Jazz Konferenz nun all diese Impulse und Initiativen, um diesen eine weithin sicht- und hörbare Öffentlichkeit zu geben.